Wer sagt hier: nur die Westfalen schätzen den Grünkohl und die Tradition der Kohlfahrt? – Nein, auch wir Rheinländer haben da unsere ganz eigenen Rezepte und Bräuche. Den Grünkohl bereiten wir gerne mit Speck, Gänseschmalz, Sahne, Pfeffer, Muskatnuss und süßem Senf zu und servieren dazu Kasseler oder gekochte Mettwurst. Wenn wir dann ab Oktober auf Kohlfahrt gehen, dürfen das gute Kölsch und ein Weinbergspfirsichbrand natürlich nicht fehlen, so dass keine Kehle trocken bleibt.

Man sagt ja auch, dass durch den Alkohol, besonders durch einen Kümmelkorn, die nach dem Kohlessen auftretenden Blähungen vermindert werden oder ganz ausbleiben, denn auch im Grünkohl ist bekanntlich Musike. Genau aus diesem Grund bewegen wir uns nach dem kulinarischen Genuss schließlich an der frischen Luft, ziehen unseren Bollerwagen hinter uns her oder schieben beim Bosseln bzw. „Klootschießen“ eine ruhige Kugel. Sollten hierbei immer noch die herzhaft duftenden Winde aufkommen, dann verteilen sie sich rasch in alle Himmelsrichtungen und fallen niemandes Nase zur Last.

Bei unserer diesjährigen Kohlfahrt ins Bergische Land ist Heinz-Werner, unserem Ausflugsorganisator, allerdings etwas furchtbar Peinliches passiert. Es war schönstes Sonnenwetter und wir amüsierten uns alle prächtig am Biertisch einer Gaststätte an der Wupper. Als es aber ans Bosseln ging und wir mucksmäuschenstill gespannt Heinz-Werners Anlauf und Wurf verfolgten, da krachte auf einmal ein basslastig lautes Geräusch aus seiner Hose, und die mehr in die Höhe als in die Weite geworfene Klootkugel verfing sich in einem Baum.

Nach wenigen Sekunden Schockstarre brachen wir alle in brüllendes Gelächter aus, während Heinz-Werner einen knallroten Kopf bekam. Seitdem wird er natürlich laufend von uns aufgezogen: „Heinz-Werner, furz die Kugel mal wieder vom Baum runter!“ Da war es ihm wenigstens ein Trost, dass ein anderer Wurf ihm zum Sieg verholfen hatte. Und als er abends auf dem Siegertreppchen stand und die eigens engagierten Damen vom Begleitservice Wuppertal ihm den Pokal überreichten, war er gerührt wie sonst selten. Besonders mit der Attraktivsten von ihnen verstand er sich so gut, dass man munkelt, sie seien am nächsten Morgen in ein und demselben Bett aufgewacht. Na, wollen wir mal hoffen, dass er in dieser Nacht die volle Kontrolle über seinen Schließmuskel hatte!

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